Bürger, Suchverfahren und Analyse-Algorithmen in der politischen Meinungsbildung

»Informationskompetenz und Demokratie konkret: Handlungsbedarfe und Handlungsansätze«

In der Diskussionsrunde zum Thema »Informationskompetenz und Demokratie konkret: Handlungsbedarfe und Handlungsansätze« diskutieren ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen miteinander über Bedarfe und Ansätze zur Förderung und Vermittlung von Informationskompetenz und Demokratie.

Die ExpertInnen sind:

1 Comment

  1. E. E.

    Ich fand die Diskussionsrunde rund um Handlungsbedarfe und Handlungsansätze von Informationskompetenz und Demokratie spannend, da sie Perspektiven und Ansichten verschiedener Disziplinen auf diese Themen aufgezeigt hat. Besonders auf die Beiträge von Dr. Rudolph rund um den Bereich der (Erwachsenen-)Bildung möchte ich hier mehr Bezug nehmen.
    Dass das „lebenslange Lernen“ lieber „lebensbegleitendes Lernen“ genannt werden sollte, um den Lernenden die Angst und den Druck zu nehmen, halte ich für eine sinnvolle Idee, von der ich zuvor noch nicht gehört hatte.
    Auch stimme ich Dr. Rudolph zu, dass man sich divers informieren sollte. Wenn man sich nur einseitig Informationen beschafft, ohne diese zu hinterfragen, besteht eine große Möglichkeit, manipuliert zu werden.
    In der Diskussion wurde die Vermittlung von Informationskompetenz als eine Hauptaufgabe der Erwachsenenbildung laut Niedersächsischem Gesetz für Erwachsenenbildung (NEBG) angesprochen. Hierauf möchte ich nun noch etwas genauer eingehen.
    In dem Gesetz ist nicht explizit die Rede von „Informationskompetenz“, vielmehr ergibt sich dieser Begriff aus den im Gesetz vorhandenen Umschreibungen.
    Laut Gesetz betrifft Erwachsenenbildung die allgemeine und berufliche, aber auch die politische und kulturelle Bildung und soll Fähigkeit der Lernenden zu organisiertem Lernen stärken. Im ersten Paragraph heißt es: „Die Erwachsenenbildung soll allen Menschen […] die Chance bieten, sich die für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Mitgestaltung der Gesellschaft erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen“. Hier wird der Bezug zur Informationskompetenz besonders deutlich, da sie eine solche Fähigkeit darstellt, die sowohl für die freie Entfaltung der Persönlichkeit als auch für die Mitgestaltung der Gesellschaft erforderlich ist. Zudem werden in Paragraph 8 Bildungsmaßnahmen aufgeführt, die „den besonderen gesellschaftlichen Erfordernissen entsprechen“, zu welchen auch Maßnahmen „der politischen, wert- und normenorientierten Bildung“ gehören. Auch hier kann man eine Brücke zu Informationskompetenz schlagen, da diese den kritischen und ethischen Umgang mit Informationen umfasst und somit als wert- und normenorientiert angesehen werden kann.
    Auch die in der Diskussion angesprochene Heterogenität der Menschen in der Erwachsenenbildung wird im Gesetz deutlich, wie in Paragraph 1 steht: „[…] allen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht und Alter, ihrer Bildung, sozialen oder beruflichen Stellung, ihrer politischen oder weltanschaulichen Orientierung und ihrer Nationalität, […]“. Insgesamt wird deutlich, dass die Informationskompetenz implizit stark im NEBG verankert ist.
    Ein weiterer Aspekt, der von Dr. Rudolph angesprochen wurde, bezieht sich auf Informationskompetenz in der Schule. Ihrer Ansicht nach sollte Informationskompetenz nicht als eigenes Schulfach unterrichtet werden, sondern als „Querschnittskompetenz“ durch methodische und didaktische Zugängen. Hierzu würde ich gerne den Artikel von Ader/Orszullok/Stock (2013) hinzuziehen, die sich ebenfalls mit der Informationskompetenz als Schulfach auseinandersetzen.
    Im Artikel wird zunächst aufgezeigt, dass die Vermittlung von Informationskompetenz von Schulen in Deutschland aktuell nicht ausreichend sei. Kurse, die sich mit der Thematik befassen, gebe es lediglich an Hochschulen, aber kaum an Schulen. Dementsprechend gering sei die Informationskompetenz bei Schüler*innen häufig ausgeprägt, obwohl sie im weiteren beruflichen und privaten Leben eine entscheidende Rolle spiele.
    Die Vermittlung von Informationskompetenz solle also bereits in der Grundschule beginnen und in der Sekundarstufe weitergeführt werden. Dabei bieten sich verschiedenen Arten der Vermittlung an: Informationskompetenz als eigenes Schulfach oder eingebettet in den Unterrichtsstoff anderer Fächer. Studien zeigen sowohl für die Grundschule als auch für die Sekundarstufe den Erfolg bei der Einbinding von Informationskompetenz in andere Fächer. Nichtsdestotrotz sind die Autor*innen der Ansicht, dass es sehr wohl sinnvoll erscheine, Informationskompetenz in der vierten Klasse in den Sachunterricht einzubetten, aber in der Sekundarstufe auf eine andere Form zurückzugreifen. Hier solle zu Beginn der Sekundarstufe und zum Ende der Sekundarstufe, bevor die Facharbeit angefertigt wird, Informationskompetenz als eigenes Fach jeweils zweistündig über ein Halbjahr unterrichtet werden und im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld angesiedelt sein.
    Informationskompetenz solle durch dokument-basiertes Lernen, Projektarbeit und Teamarbeit durchgeführt werden und vor allem die Vermittlung von Recherchekompetenz und der Kompetenz der Kreation und Repräsentation von Wissen im Fokus haben.
    Diesen Ausführungen von Ader/Orszullok/Stock bezüglich der Integration von Informationskompetenz in den Unterricht stimme ich dahingehend zu, dass meiner Meinung nach für Schüler*innen höherer Klassenstufen eine Notwendigkeit besteht, Informationskompetenz im Rahmen eines eigenen Unterrichtsfachs zu lehren.

    Literatur:
    Ader, Stefanie; Orszullok, Lisa; Stock, Wolfgang (2013): Informationskompetenz als Schulfach: Wer sollte was wann und wie unterrichten? In: Gust von Loh, Sonja; Stock, Wolfgang (Hrsg.): Informationskompetenz in der Schule. Ein informationswissenschaftlicher Ansatz. Berlin: De Gruyter, S. 259-271.

    Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen (2005): Niedersächsisches Erwachsenenbildungsgesetz (NEBG). Abgerufen unter:
    https://www.aewb-nds.de/fileadmin/content/%C3%9Cbertrag/NEBG_NEU.pdf (letzter Zugriff: 01.07.2020)

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