Der Begriff Informationskompetenz ist nicht der einzige Begriff, welcher Kompetenzen beschreibt, die von dem richtigen Umgang mit Informationen, vor allem gewonnen aus dem Interntet, handeln. Es gibt weitere, eventuell besser bekannte Begriffe, die ähnliche oder übereinstimmende Fähigkeiten beschreiben. Im nachfolgenden werden diese Begriffe daher aufgegriffen und erklärt, um sowohl Gemeinsamkeiten als auch ggf. Unterschiede darzustellen.

Digitale Kompetenz

Der Begriff der digitalen Kompetenz ist ein umfassendes Konzept, welches bereits von der Europäischen Kommission ausgearbeitet wurde. Diese hat einen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (DigComp) entwickelt. Dieser kann dazu genutzt werden, die eigenen Fähigkeiten zu überprüfen und ggf. neue Lernziele zu setzen (vgl. European Commission 2019).
Der Referenzrahmen ist unterteilt in fünf übergreifende Bereiche. Die jeweiligen Bereiche wiederum beinhalten verschiedene Kompetenzen, welche in der Summe 21 ergeben. Die fünf Bereiche sehen wie folgt aus (vgl. ebd.):

  • Information and data literacy: Dieser Bereich umfasst das Ausdrücken von Informationsbedarfen sowie das Auffinden von digitalen Daten Inhalten und Informationen. Darüber hinaus ist das Beurteilen der Relevanz sowie das Verwalten dieser entscheidend.
  • Communication and collaboration: Hier wird die Interaktion, die Kommunikation und die Zusammenarbeit über digitale Technologien betont. Dabei spielen bspw. auch das Berücksichtigen der kulturellen Vielfalt sowie die Verwaltung der eigenen digitalen Identiät eine Rolle.
  • Digital content creation: Das Erstellen, Bearbeiten und Einarbeiten von digitalen Inhalten unter Berücksichtigung von Urheberrechten und Lizenzen stellt einen weiteren Bereich dar.
  • Safety: Hier steht der Schutz von Geräten und persönlichen Daten und damit einhergehend der Privatspähre im Vordergrund. Ein Bewusstsein über die Auswirkungen der digitalen Technologien auf die Umgebung aufzubauen, ist ein entscheidener Punkt.
  • Problem solving: Das Identifizieren von Bedürfnissen und Problemen sowie das Lösen solcher steht hier im Fokus. Der Nutzen von digitalen Tools soll zudem die Innovation von Prozessen begünstigen.

Es ist nicht zu übersehen, dass besonders der erste Bereich, welcher ebenfalls als „information literacy“ benannt wird, den unserseits beschriebenen Begriff der Informationskompetenz miteinschließt. Doch bei genauerer Betrachtung können auch der dritte Bereich, der sich mit der Erstellung von Inhalten sowie der letzte Bereich, welcher das Problemlösen fokussiert, unter dem Begriff der Informationskompetenz einordnen lassen. Insofern ist die Verwandtheit dieser beiden Begrifflichkeiten „Informationskompetenz“ und „digitale Kompetenz“ nicht von der Hand zu weisen. Dennoch ist wichtig, weiterhin einen differenzierte Perspektive beizubehalten und die Begriffe unter Berücksichtigung ihrer jeweligen Kernaussagen zu betrachten.

Weitere Informationen und eine Beschreibung der 21 digitalen Kompetenzen findest Du in der Beschreibung des „Digital Competence Framework 2.0“ auf der Seite der Europäischen Kommission.

Medienkompetenz

Auch der Begriff der Medienkompetenz ist weit verbreitet und ausgearbeitet. So hat bspw. das Bundesland NRW sogar ein eigenes  Portal für Medienkompetenz entworfen, in welchem ausführliche Informationen zu dem Thema bereitgestellt werden. Selbstverständlich wird dort auch der Begriff Medienkompetenz genau erläutert und es wird herausgearbeitet, dass dieser bereits in den 1970er Jahren durch Dieter Baacke, Medienpädagoge und Erziehungswissenschaftler, eingeführt und von diesem geprägt wurde. Baacke verknüpft mit Medienkompetenz das Bild eines Menschens, der gesellschaftlich und selbstbestimmt handelt und stellt damit den Menschen in den Mittelpunkt. Die Frage ist demnach nicht, was die Medien mit den Menschen, sondern vielmehr was die Menschen mit den Medien machen (vgl. Medienkompetenz Portal NRW). 

‚Medienkompetenz‘ meint also grundlegend nichts anderes als die Fähigkeit, in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire von Menschen einzusetzen.

Prof. Dr. Dieter Baacke (1996: 119)

Dimensionen von Medienkompetenz

Ähnlich zur Informationskompetenz gibt es auch bei der Medienkompetenz verschiedene Dimensionen, welche den Umfang und die Reichweite des Begriffs umfassen sollen. Da Baackes Arbeiten den Grundstein in der Forschung der Medienkompetenz legten, stellen seine aufgestellten Dimensionen die Ausgangslage für mehrere darauf aufbauende Arbeiten dar (vgl. Medienkompetenz Portal NRW). Baacke (1996) stellt vier Dimensionen auf, um den Begriff Medienkompetenz in seiner Gesamtheit zu beschreiben:

1. Medienkritik

Die drei Schlüsselbegriffe hierbei sind analytisch, reflexiv und ethisch. Problematisch gesellschaftliche Prozesse sollten erstens analytisch erfasst werden. Dies sollte dann dazu führen, dass Menschen reflexiv das analytische Wissen auf das eigene Handeln beziehen – und das auch noch in einem sozial verantwortlichen, ethischen Rahmen.  

2. Medienkunde

Diese Dimension umfasst zum einen klassische Wissensbestände, also bspw. Wissen darüber, wie Journalisten arbeiten oder die Struktur des Rundfunksystems. Zudem umfasst sie aber ebenso die Fähigkeit, sich in neue Geräte einzuarbeiten und diese auch bedienen zu können, bspw. den Umgang mit einem mobilen Endgerät oder sich in bestimmte Netzwerke einloggen zu können. 

3. Mediennutzung

Auch in dieser Dimension werden zwei verschiedene Unterpunkte umfasst: zum einen das rezeptive anwenden, also die Programm-Nutzungskompetenz. Zum anderen die interaktive Nutzung, das Anbieten, wie es bspw. beim Tele-Shopping der Fall ist. 

4. Mediengestaltung 

Die Mediengestaltung ist als innovativ und kreativ zu verstehen. So soll das Mediensystem verändert und weiterentwickelt werden und zeitgleich Grenzen der Kommunikationsroutine überschritten und ästhetische Varianten berücksichtigt werden.

Wie auf dem Portal für Medienkompetenz deutlich wird, sind Baackes vier Dimensionen auch heute noch ein zentraler Bestandteil der Debatte um Medienkompetenz. Doch er ist nicht der Einzige geblieben, der versucht hat anhand von Dimensionen den Begriff greifbarer zu machen. So hat auch bspw. Professorin Helga Teunert in Anlehnung an Baackes Arbeit drei Dimensionen aufgestellt: 

  1. Sachkompetenz: das Wissen über die Medien
  2. Rezeptionskompetenz: die Fähigkeit, Medien kritisch zu nutzen
  3. und Partizipationskompetenz: die Fähigkeit, Medien selbstbestimmt zu produzieren (siehe Medienkompetenz Portal NRW).

Übereinstimmend lässt sich festhalten, dass für Medienkompetenz also das Wissen über Medien und den Umgang mit diesen vorausgesetzt wird, um sie kritisch reflektieren und nutzen zu können. Weiterführend beinhaltet diese Kompetenz, Medien selbstbestimmt produzieren und verbreiten zu können und hierbei auch über die routinierten Grenzen hinwegzublicken.

Führen wir uns jetzt nochmal die Fähigkeiten von Informationskompetenz vor Augen, so fällt auf, dass sich die beiden Kompetenzen stark ähneln. Wenn zwar auch selbsterklärend bei der Informationskompetenz der Umgang mit allen Informationen im Vordergrund steht und bei der Medienkompetenz Wissen über Medien sowie bspw. journalistisches Arbeiten vorausgesetzt wird, ist in beiden Fällen doch das Reflektieren und kritische Hinterfragen und Nutzen zentral. Zudem wird sowohl bei der Informations- als auch bei der Medienkompetenz auf den verantwortungsvollen Umgang in Hinblick auf Produktion und Verbreitung von Medien und Informationen hingewiesen. Denn der gewissenhaften Verbreitung von Informationen kommt eine besondere gesellschaftliche Rolle zu.


Verwendete Literatur

  • Baacke, Dieter (1996): Medienkompetenz – Begrifflichkeit und sozialer Wandel. In: Rein, A. v. (Hrsg.): Medi­enkompetenz als Schlüsselbegriff. Bad Heilbrunn, S. 112-124.
  • European Commission (2019): DigCom. https://ec.europa.eu/jrc/en/digcomp (Letzter Zugriff: 21.06.2019).
  • Medienkompetenz Portal NRW: Begriffsbestimmung Medienkompetenz. https://www.medienkompetenzportal-nrw.de/grundlagen/begriffsbestimmung.html. (Letzter Zugriff: 28.06.2019).